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Geschichte der FF Nordhalben

125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nordhalben

Bericht anlässlich des Jubiläumsfestes im Jahr 1999

Vom 25.-28. Juni 1999 feiert die Freiwillige Feuerwehr Nordhalben, die am 24. Juni 1874 gegründet wurde, ihr 125-jähriges Bestehen. Vielen der damaligen Gründungsmitglieder war sicherlich noch der große Brand vom 19. März 1856 in Erinnerung, der den gesamten Marktflecken bis auf wenige Häuser in einen Schutthaufen verwandelt hatte. Einer ähnlichen Katastrophe vorzubeugen, mag wohl der Hauptgrund für die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr vor nunmehr 125 Jahren gewesen sein.

Ein Blick in die Unterlagen der Wehr, die leider durch Kriegseinwirkung von der Zeit der Gründung bis 1925 zerstört wurden, gibt Aufschluß über die bewegte Geschichte der Feuerwehr. Sie gibt Zeugnis vom Zusammenhalt der Wehrmänner mit der jeweiligen Vorstandschaft, getragen von der aus Idealismus übernommenen Aufgabe, nicht nur das eigene Gut, sondern auch das Gut des Nächsten vor Feuersgefahr zu bewahren.

Die markanteste Persönlichkeit in der Geschichte der hiesigen Wehr war sicher Altbürgermeister Hans Wolf, der von 1892 bis 1912 den Posten des Kommandanten inne hatte. Außerdem versah er zu dieser Zeit auch das Amt des Kreisbrandinspektors. Von 1912 bis 1934 war er Vorsitzender der Wehr. Unter seiner Führung wurden viele Verbesserungen an Geräten und Ausrüstungsgegenständen getätigt. Während dieser Zeit dienten Landwirt Heinrich Lunk und Obermeister Andreas Kübrich der Wehr als Kommandanten.

Von 1934 bis 1938 führte Schuhmachermeister Georg Wachter die Geschäfte des Vorstandes. Während des Zweiten Weltkrieges war Werkmeister Nikolaus Müller Kommandant. Nach dem Krieg  erfolgte 1946 langsam der Wiederaufbau der Gesamtwehr unter dem Vorsitzenden Andreas Stumpf und dem Kommando von Josef Kuhnlein.

An dieser Stelle seien kurz die beiden Großbrände erwähnt, die 1972 und 1974 zwei Nordhalbener Betriebe zerstörten, sowie ein kurioser Flächenbrand:
Am 29. April 1972 rief die Sirene kurz nach Mitternacht die Männer der Wehr aus dem Schlaf zum Brand bei der Firma Rehbach. Trotz des Einsatzes von 19 Wehren aus den Landkreisen Kronach und Naila vernichtete der „Rote Hahn" die gesamten Gebäude des Betriebes. Hierbei zeigte sich, wie notwendig die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges ist.
Am 25. Januar 1974 gegen o3.15 Uhr früh rief die Sirene die Männer der Wehr zum Brand in das Möbel- und Materiallager der Firma Dietz (ehemalige Zigarrenfabrik) zum Einsatz. Hier wurde ebenfalls wieder überörtliche Hilfe der Nachbarwehren in Anspruch genommen. Bei diesem Brand hat auch das neue Tanklöschfahrzeug seine „Feuertaufe" erhalten und sich glänzend bewährt.
Der wohl kurioseste Brand, zu dem die Männer wahrscheinlich jemals gerufen wurden, war ein Flächenbrand am 3o. Dezember 1972. In einer Zeit, in der der Frankenwald normalerweise im Schnee erstickt, lag keine Schneeflocke. Nur ein eisiger Nordwind fegte über die festgefrorene Landschaft. Die Wehrmänner hatten alle Hände voll zu tun, die Eisdecke eines nahegelegenen Fischteiches aufzuhacken, um ihn als Wasserentnahmestelle zu benutzen.

 

Besondere Jubiläen

Am 25. und 26. Juni 1899 beging die Freiwillige Feuerwehr Nordhalben die Feier ihres 25-jährigen Bestehens. Eingeleitet wurde das Fest durch Zapfenstreich, Konzert und Tagreveille, ausgeführt durch die Neufanger Kapelle. Am Sonntag bewegte sich der Festzug um 9 Uhr zur Kirche. Nach Schluß des Gottesdienstes fand musikalischer Frühschoppen statt. Herr Kaufmann Schlee hielt als Vorsitzender die Festrede, Herr Hauptmann Wolf schilderte in kurzen Zügen das segensreiche Wirken des Vereins und Herr Gastwirt Deuerling toastete auf die in uneigennütziger Weise „Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr“ wirkende Institution. Am Montag fand Requiem für die verstorbenen Mitglieder statt. Zehn Gründungsmitglieder leben noch und werden in der nächsten Zeit das Ehrenzeichen für 25-jährige ununterbrochene Dienstzeit zugestellt erhalten.

1949 feierte man das 75-jährige Jubiläum in Form eines großen Feuerwehrfestes.

3o.o8.1964: Neues Gerätehaus zum 9o. Gründungsfest
Voller Freude und Stolz zeigten die Männer der Freiwilligen Feuerwehr am Samstag nachmittag als Auftakt ihres festlichen Wochenendes in einer Schauübung ihr Können. Endlich ging mit dem Bau eines eigenen Gerätehauses ein lang ersehnter Wunsch für die Wehr in Erfüllung. Es wurde zu einem wahrhaft großartigen Geschenk der Marktgemeinde an ihre Wehrmänner, die sich jederzeit selbstlos für die Bevölkerung einsetzen. Zur Aufbewahrung der Geräte diente bisher eine Blechgarage am Schulgarten oberhalb des Trinkwasser-Pumpwerkes. Beim Festkommers stand die Ehrung von Ehrenkommandant Josef Kuhnlein (Kohl-Sepp), der die Wehr nach dem Krieg an verantwortungsvoller Stelle wieder mit aufbaute, und von Gerätewart Hans Deckelmann (Vites-Hans) für 4o-jährige Mitgliedschaft im Mittelpunkt. Kreisbrandinspektor Hans Neder aus Steinberg verlieh der Löschgruppe Nordhalben als der ersten im Landkreis Kronach das silberne Leistungsabzeichen. Am Sonntag erfolgte nach dem Festgottesdienst und der Totenehrung am Kriegerehrenmal die kirchliche Segnung des neu errichteten Feuerwehrgerätehauses durch Pfarrer Johann Gumbrecht. Bürgermeister Kurt Schübel, der den Neubau als wohl schönstes Gerätehaus seiner Art in ganz Oberfranken bezeichnete, überreichte an Kommandant Lorenz Neudecker die Schlüssel für das neue Haus, das, so war sein Wunsch, auch die Jugend anspornen möge, sich zum Schutz der Mitmenschen einzusetzen. Landrat Dr. Edgar Emmert sagte, die Gemeinde könne stolz sein auf dieses Werk. Mit Recht habe der Bürgermeister die Notwendigkeit des Neubaues erkannt, auch wenn die Kosten von 9o ooo DM für die Gemeinde eine große Belastung bedeuten und noch dringende Probleme für sie zu lösen seien. Dank galt dem Architekten Baptist Detsch aus Kronach für das schöne, zweckdienliche Gebäude. Mehr als 3o Wehren der näheren und weiteren Umgebung hatten sich am Nachmittag zum Festzug eingefunden und unterstrichen damit ihre Verbundenheit mit der Jubelwehr. Vorbildlich war die Organisation und der reibungslose Ablauf des Festes. Es war eine Demonstration der Zusammengehörigkeit der Männer, die sich jahraus und jahrein in selbstloser Weise der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

14. – 17.o6.1974: 1oo Jahre Freiwillige Feuerwehr Nordhalben
Unter der Beteiligung von über 5o auswärtigen Feuerwehren und der erwarteten großen Anteilnahme der örtlichen Vereine und der gesamten Bevölkerung feierte die Freiwillige Feuerwehr Nordhalben am Wochenende ihr 1oo. Gründungsfest. Die Bierprobe am Freitag mit dem „Großen Zapfenstreich“ durch die Musikkapelle und den ATSV-Spielmannszug, der Festkommers am Samstag mit Ehrung verdienter Wehrmänner, der Festgottesdienst mit Totenehrung am Sonntag und der Festzug mit dem sich anschließenden Festakt waren die Höhepunkte des Jubiläums. Das Fest schloß am Montag mit dem Kinderfest und einem großen Unterhaltungsabend.

29.o6. – o2.o7.1984: 11o Jahre Freiwillige Feuerwehr Nordhalben
Die Festtage der 11o-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Nordhalben wurden trotz der bis auf den Sonntag kühlen Witterung zu einem vollen Erfolg. Festkommers mit „Großem Zapfenstreich“, Totenehrung am Kriegerehrenmal, Festgottesdienst und Festzug, Kinderfest und Unterhaltungsabend waren die Höhepunkte dieses viertägigen Jubiläumsfestes, das als weiterer Meilenstein in die Annalen der Wehr eingehen wird.

o1. – o4.o7.1994: 12o Jahre Freiwillige Feuerwehr Nordhalben
Mit einem viertägigen Fest feierte die Freiwillige Feuerwehr Nordhalben ihr 12o-jähriges Bestehen. Ein Höhepunkt war der Festzug mit den einheimischen Vereinen sowie vielen auswärtigen Wehren. Der Festsonntag hatte mit dem Totengedenken am Kriegerehrenmal begonnen. Anschließend wurde im Zelt der Festgottesdienst gefeiert. Festausklang war am Montag mit Kinderfest und Unterhaltungsabend mit der Kapelle „Goldene 7“.

27.o4.1996: Feuerwehrgerätehaus übergeben
Der neue Feuerwehrtrakt im Untergeschoß der Nordwaldhalle wurde seiner Bestimmung übergeben. Vereine, Bürger und zahlreiche Ehrengäste feierten zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr die Fertigstellung mit einem zwei Tage dauernden Fest. Rund 1,5 Millionen Mark beträgt der Gerätehausanteil an den Baukosten der Mehrzweckhalle. Mit einem Festzug aus der Ortsmitte begannen die Feierlichkeiten. Marco Schultes, Vorsitzender der Nordhalbener Wehr, begrüßte die Teilnehmer, darunter Vertreter der Kreistagsfraktionen und der Kreisbrandinspektion, vor den Toren des neuen Gebäudes. Dessen Portal ziert eine gut mannshohe schmiedeeiserne St.-Floriansfigur, die von Ferdinand Schultes entworfen und von Klaus Hänel gefertigt wurde. Den kirchlichen Segen spendeten die beiden Ortsgeistlichen Pfarrer Hans Martin und Pfarrer Norbert Riemer. In seiner letzten Amtshandlung übergab Bürgermeister Lothar Persicke den Schlüssel an Kommandant Ralf Mohr. Von den drei Stellplätzen ist einer als Waschplatz ausgestattet. Neben den üblichen Sanitär-, Lager- und Werkstatträumen sind in dem Trakt noch eine Atemschutzwerkstatt, Kommandantenzimmer und ein größerer Unterrichtsraum untergebracht. Weiterhin verfügt die Wehr nun auch über eine Schlauchwasch- und Trocknungsanlage. Zuschüsse erhielt die Gemeinde vom Freistaat Bayern über die Regierung von Oberfranken, vom Landkreis Kronach und von der Landesbrandversicherungsanstalt. Kreisbrandrat Peter Endres sprach die heutigen Aufgaben einer Wehr an, die auch über eine entsprechende Ausrüstung sowie Unterkunft verfügen muß. Ihre Glückwünsche sprachen auch die Bürgermeister der Nachbarkommunen Peter Oppelt (Lobenstein) und Manfred Rank (Titschendorf). Zum Zeichen ihrer partnerschaftlichen Verbundenheit seit der Wende enthüllten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wurzbach einen Gedenkstein und pflanzten eine Eiche an der Halle. Mit einem gemütlichen Beisammensein zu den Klängen der Musikkapelle Nordhalben endete der erste Festtag.
Am nächsten Tag waren die auswärtigen Wehren eingeladen. Zusammen mit den Nordhalbener Vereinen marschierten sie unter Begleitung des ATSV-Spielmannszuges und der Musikkapelle Zeyern vom Lindenplatz zur Nordwaldhalle. Der „Tag der offenen Tür" gab den Festbesuchern Gelegenheit, sich im neuen Feuerwehrgerätehaus gründlich umzuschauen.

 

Anschaffung von Geräten

1888 wurde die erste Handdruckspritze angeschafft, die heute noch als Erinnerungsstück im Feuerwehrgerätehaus aufbewahrt wird. 1928 erfolgte der Ankauf einer fahrbaren mechanischen Leiter. Während des Krieges wurde 1942 ein Tragkraftspritzenanhänger (TSA) mit einer Tragkraftspritze (TS 8/8) erworben. 1960 schaffte  die Marktgemeinde einen VW-Transporter an, der die Schlagkraft der Wehr erheblich verbesserte. In den folgenden Jahren (1962 und 1970) wurden zusätzlich zur Verbesserung des Feuerschutzes zwei TS 8/8 gekauft.

Tanklöschfahrzeug (TLF 16)
Bei den immer wieder aufgetretenen Wald- und Flächenbränden stellte sich der Wehr die Frage zur Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges. Im Jahre 1973 war es endlich soweit. Für die Freiwillige Feuerwehr Nordhalben ging am letzten Oktober-Sonntag ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Bürgermeister Nikolaus Feulner übergab ein modernes Tanklöschfahrzeug (TLF 16) im Pausenhof der Volksschule an den Kommandanten Ferdinand Schultes. Zu den Gesamtanschaffungskosten von 128 34o DM mußte die Marktgemeinde 65 86o DM als Eigenleistung aufbringen. Kapuzinerpater Deodat, der anläßlich einer religiösen Woche in Nordhalben weilte, zeigte sich erfreut darüber, die Segnung des neuen Fahrzeuges vornehmen zu dürfen, seien es doch, wie er sagte, seine Ordensbrüder gewesen, die als erste Feuerwehrleute von Paris bekannt geworden seien. Er dankte den Wehrmännern, die durch ihre Bereitschaft, der Gemeinschaft zu dienen, mit dem Gebot der Nächstenliebe ernst machten.

Löschfahrzeug übergeben
Einmal mehr wurde der Zusammenhalt der Bewohner in der Zonengrenzgemeinde sichtbar, feierte man doch vier Tage lang vom o8. bis 11. Juli 1977 in Gemeinsamkeit das von der Freiwilligen Feuerwehr und der Gemeindeverwaltung veranstaltete Heimat- und Wiesenfest, dessen Reinerlös der Neuanschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeugs (TSF) für die Wehr zugute kam. Bierausschank, Bratwurst- und Fischbrötchenverkauf wurden ehrenamtlich durchgeführt. Hinzu kam noch eine große Tombola, die von der Jungen Union durchgeführt wurde und den stolzen Betrag von 4 1oo DM einbrachte, der an die Feuerwehr überreicht werden konnte. Am Sonntag fand erstmals in Nordhalben in einem Bierzelt der Festgottesdienst statt, der alle Besucher – das Zelt war fast voll besetzt – tief beeindruckte. Auf dem Festplatz gab Pfarrer Johann Gumbrecht am Nachmittag nach dem Festzug dem neuen Fahrzeug in einer kurzen Feierstunde den kirchlichen Segen.

Neues Löschfahrzeug zum Gründungsfest
Da dieses Fahrzeug nach einer Zeit von über 2o Jahren inzwischen nicht mehr voll einsatzfähig ist, soll an seine Stelle ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) mit Staffelbesatzung treten. Nach einer in der Marktgemeinde durchgeführten Spendenaktion, die stolze 3o ooo DM einbrachte, und den erwarteten Zuschüssen verbleiben für den Gemeindesäckel etwa 2o ooo DM, um das ca. 1oo ooo DM teure Fahrzeug noch zum Gründungsfest anschaffen zu können.

So steht im Jubiläumsjahr in Nordhalben eine gut ausgerüstete und schlagkräftige Wehr zum Schutz des Eigentums aller Bürger zur Verfügung. Die Männer der Wehr, ob jung oder alt, ob in leitender Funktion oder als einfacher Wehrmann, sind beseelt von einem Idealismus, der heute selten geworden und deshalb um so höher zu bewerten ist. In guter Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und in echter Kameradschaft untereinander wollen diese Männer auch das zweite Jahrtausend angehen eingedenk des alten und immer wieder gültigen Wahlspruches der Freiwilligen Feuerwehren:

„Gott zur Ehr und dem Nächsten zur Wehr"

Montag, 19. November 2018

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